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  • Giorgina Kazungu-Haß

Wie gelingen Kulturveranstaltungen während einer Pandemie?


Gestern war ich auf einem Konzert des Landesjugendblasorchesters Rheinland-Pfalz. Es war großartig, wie immer, aber dennoch überwog meine große Sorge die Freude über das gelungene Konzert, als ich danach nach Hause fuhr.

Die ohnehin wenigen Karten waren schnell ausverkauft, im Saalbau in Neustadt wurde jede einzelne Hygienemaßnahme mit größter Sorgfalt durchgezogen.

Aber nach einem Freitag mit fast 15 000 Infektionen, waren an diesem Sonntag viele zuhause geblieben. Die jungen Musikerinnen und Musiker spielten vor fast leerem Saal.


Das Bild schmerzt, die Lage für die Kultur ist katastrophal.


Die Menschen bleiben, aufgrund der erhöhten Gefahr, zuhause. Eine erstmal gute Nachricht, denn offensichtlich brauchen viele keine expliziten Verbote, um sich in so einer bedrohlichen Situation selbst zu regulieren. Die Vernunft ist das wichtigste Werkzeug im Kampf gegen das Virus.

Was aber nicht hilft, ist eine undifferenzierte Angst, vor jeglicher öffentlicher Zusammenkunft. Es ist einfach ein Unterschied, ob ich mich im Keller zu einer Party mit Alkohol, lautem Gerede über die Musik hinweg und kuscheliger Nähe treffe, oder auf großem Abstand in einem gut durchlüfteten Veranstaltungsraum.

Es braucht einen Perspektivwechsel zum Umgang mit Veranstaltungen während der Akutphase der Pandemie.


Ich plädiere dafür, dass wir die Zusammenkünfte von Menschen eben gerade nicht in den privaten Raum zurückdrängen, da es keine Alternative mehr gibt. Dort gibt es keine Hygienepläne, Abstände und Masken spielen keine Rolle.

Wir sollten vertretbare Veranstaltungen mit klarem Hygienekonzept und unter einer professionellen Leitung als geringes Risiko erklären und transparent über etwaige noch vorhandene Gefahren aufklären, um dann die persönliche Risikobewertung auch jedem zu ermöglichen.

In unserem Förderprogramm des Landes, habe ich mich stark gemacht, auch digitalisierte Formate zu fördern. Dieser Programmteil wird sehr gut nachgefragt. Auch der Bund hat hier eine Förderkulisse entworfen.


Eine Vision könnte es sein, s.g. Hybridveranstaltungen weiter zu forcieren:

1. Eine sichere und den neuesten Erkenntnissen der Infektiologie angepasste Veranstaltungsumgebung schaffen.

2. Transparenz der Gefahrensituation in verschiedenen Veranstaltungsformen schaffen (z. Bsp. durch ein Ampelsystem), so soll eine persönliche Risikobewertung möglich sein.

3. Eine digitale Übertragung anbieten, nicht völlig kostenfrei, aber mit reduzierten Veranstaltungstickets.

Wir müssen uns auf das mögliche Angebot während einer Pandemie konzentrieren, nicht auf Verbote. Wir brauchen eine Positivkommunikation für die Kultur- und Veranstaltungsbranche.



Wenn uns das nicht schnell gelingt, auf allen Ebenen, dann werden die Hilfsprogramme kaum greifen können, da die Zuschauerinnen und Zuschauer gänzlich ausbleiben. Was das für Spätfolgen für das Audience-Development hat, will ich in meinem kurzen Beitrag hier nicht bearbeiten. Aber es braucht nicht viel Fantasie dafür, dass uns hier Publikum für immer verlorengehen kann. Für den Einzelkünstler, die Einzelkünstlerin ist das sicher bereits der Fall.


Die Politik trägt hier große Verantwortung, keine Frage. Aber es ist eine Aufgabe, die auch die ganze Branche in Angriff nehmen muss und zwar solidarisch.


Benedict Kloeckner, der junge Ausnahmecellist sprach von den wenigen „Perlen“, den wenigen Konzerten, die zurzeit noch realisiert werden. Er spielte sich die Seele aus dem Leib an diesem Abend. Wir kämpfen um ein hohes Gut, wir dürfen nicht zulassen, dass Kultur den öffentlichen Raum nach und nach verlässt.





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© 2020 by Giorgina Kazungu-Haß, SPD Rheinland-Pfalz,

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